Rudern am Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster

Vom Werden und Wirken der Ruderriege am Grauen Kloster

zusammengestllt von Jürgen Britze, Protektor der Ruderriege

Der Einzug des jungen Evangelischen Gymnasiums auf dem Gelände in der Salzbrunner Straße im Jahre 1954 bedeutete auch für die sportlichen Betätigungen unserer Schüler den Eintritt in eine neue Phase. Der neue -- an Jahren nicht mehr ganz jugendliche -- Sportlehrer Herr Niederschuh hatte ein besonderes Hobby: das Rudern. Er konnte den damaligen Schulleiter, Herrn Seeger, von der Bedeutung und dem Wert dieses Sports überzeugen; so kam es am 9. Mai 1955 zur Gründung einer Ruderriege.

alte Flagge der Ruderriege Ähnlich wie die Jungen der "alten Klosteraner" 1905 (die Mädchen der Studienanstalt begannen erst 1926 in Köpenick) in ihrem ersten Ruderjahr vom BRC v1876 betreut wurden, bevor sie im zweiten Ruderjahr in das Schülerbootshaus in Niederschöneweide übersiedelten, begannen unsere Jungen unter der Obhut des BRC neben dem Kleistgrab, die Mädchen bei den Friedrichshagener Damen RC am Pichelsee.

Mit den Booten "Kastor" und "Pollux" machten die 24 Jungs unter der Leitung von Herrn Niederschuh und die Mädchen unter der Leitung von Frau Michaelis ihre ersten Wassererfahrungen. Im Jahre 1956 nahmen die Riegen des E.G. bereits am Anrudern der Berliner Schulen teil; ein Jahr später, am 1. Juni 1957, traten die Riegen dann den Schülerruderverbänden am Kleinen Wannsee als Mitglieder bei.

Im Jahre 1958 konnte der Bootspark der Jungenriege durch den Erwerb eines gebrauchten Doppelzweiers erweitert werden. Er erhielt wegen besonderer Vorkommnisse bei der Überführungsfahrt den beziehungsreichen Namen "Odysseus". Als bei der Überführung des Bootes ein Sturm aufkam, zeigte sich der Nutzen der DLRG, die die Besatzung rettete. Das Boot konnte erst einige Tage später geborgen werden und kam damit später an Land als der gesuchte Name, da man sogleich der Irrfahrt des Odysseus gedachte, der bei der feierlichen Taufe seinen Namen auch für dieses Boot hergeben musste.

Der 20. Mai 1965 bedarf besonderer Erwähnung: anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Ruderriegen konnte unser Bootspark mit der Namensgebung für den Doppelvierer "Argo" und den Doppelzweier "Jason" wesentlich bereichert werden. In Anbetracht der Umbenennung des Evangelischen Gymnasiums durch die Traditionsübernahme des "Grauen Klosters" gedachten wir zugleich der Gründung der alten Klosteraner-Ruderriege vor 60 Jahren (die im Jahre 1943 aufgelöst wurde) und fügten unserem Riegennamen auch die Benennung "zum Grauen Kloster" hinzu. Dabei wurde ferner unsere Bootsflagge der Traditionsflagge angepasst und die alte Ruderkappe wieder eingeführt. Als Taufpaten konnten wir den "alten Klosteraner" Karl Heinz Neumann präsentieren, der bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles im Goldvierer der BRC saß, sowie Bernhard Britting als "jungen Klosteraner", der 1964 in Tokio gleichfalls in einem Vierer des BRC Gold erruderte.

Als weiterer Zuwachs wäre der Doppelzweier "Ost" zu nennen, der uns im Jahre 1968 durch Spende eines Anliegers am Wannsee zukam. Im gleichen Jahr erhielt die Jungenriege das erste Skiff "Hermes" und schließlich 1969 einen schmucken Doppelvierer, der den Namen "Keraunos" erhielt.

Als erstes Rennboot bekam die Jungenruderriege 1972 den gebrauchten Vierer m. St. "Athene". Die Mädchenriege erhielt im Jahre 1973 den gebrauchten Doppelvierer "Luna" und 1980 ihr erstes Skiff: "Venus". Im August 1982 folgten dann die weiteren Skiffs "Romulus", "Remus" und "Soccus" und schließlich 1987 zweimal "Graues Kloster" als C-Doppelvierer und als Skiff.

Wenn wir bei der Gründung der Ruderriegen 1955 nur über drei Boote verfügten, die damals natürlich dem Bedarf an Ruderplätzen nicht entsprachen, so sind es heute 17 Boote, die die beiden Riegen zur Verfügung haben, jedoch den Bedarf an Ruderplätzen bei weitem nicht abdecken können.

Die Boote sind zum Teil durch das Konsistorium (ehemaliger Schulträger), im wesentlichen jedoch durch die Elternschaft und vom Kreis der alten Klosteraner beschafft worden. Durch diese großzügige Spendenfreudigkeit wurde nicht nur für unsere Ruderer eine wesentliche Grundlage für bleibende Erinnerungen an ihre Schulzeit geschaffen, sondern zugleich auch ein entscheidender Beitrag für die Traditionspflege an unserem Gymnasium. Die Übergabe der Boote an die Ruderriegen sowie deren Namensgebungen erfolgte in festlichem Rahmen in den jeweiligen Bootshäusern oder auch in der Aula und der Turnhalle unserer Schule, sowie wiederholt in der Kongresshalle und den Sälen des Prälaten. Diese Ruderfeste wurden stets zu Höhepunkten schulischer Geselligkeit, die Schüler, Eltern, Lehrer und Freunde des Gymnasiums zusammenführten.

Nicht ohne Stolz können wir feststellen, dass die beiden Ruderriegen unseres Gymnasiums heute mit einer Mitgliederzahl von etwa 100 Mädchen und Jungen neben dem Gymnasium Steglitz weit vorne in der Berliner Schülerruderei liegen und die Relation der Ruderer zur Schülerzahl des Evangelischen Gymnasiums überhaupt einsame Spitze darstellt. Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass zum Aufblühen der Ruderriegen das unermüdliche Engagement der Protektoren und ehemaliger Schülerruderer, wie Hartmut Semken, Wolf Richter, Niklas Werner (*) und Nicolas Michael wesentlich beigetragen hat.
* Niklas Werner ist am 11. Januar 2005 beim Bergsteigen auf Neuseeland tödlich verunglückt.

Seit den Gründerjahren war es bei den Mädchen Frau Michaelis (bis 1956), dann Frau Dr. Beuthin (bis 1960), Frau Avgerinos (bis 1963), gefolgt von Frau Kretschmer (bis 1970), wonach dann der kräftige Anstieg der Mitgliederzahl unter dem Protektorat von Frau Krüger und Frau Dittmar einsetzte. Frau Krüger war von 1987 bis 1997 Vorsitzende des Mädchenruderverbandes. 1997 ging Frau Krüger in den wohlverdienten Unruhestand (Pensionierung) und übergab die Leitung der Ruderriege an Frau Dittmar und Frau Liegmann. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin (und Ehrenvorsitzende) unterstützt Frau Krüger weiterhin die Ruderinnen ("Meine Mädchen") des Grauen Klosters.

Das Protektorat der Jungenriege haben Herr Röcker und Herr Britze, denen Herr Niederschuh 1983 die Ruderriege nach 28 Jahren übergab, der seinerseits auch 20 Jahre Vorsitzender des Schüler-Ruder-Verbands am Kleinen Wannsee war. Von 1997 bis 2003 unterstützte Nicolas Michael als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Aufgabenbereich eines Protektors die Ruderriege der Jungen , baute die Homepage der Ruderriege auf und betreut diese noch heute.

In diesem Jahr feiert die Jungen-Riege ihr 100jähriges Bestehen. Mehr dazu gibt es hier!

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